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7. Auflage 2022

© 2018 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Türkenstraße 89

80799 München

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Fax: 089 652096

Die englische Originalausgabe erschien 2017 bei Grand Central Publishing, ein Imprint der Hachette Book Group, Inc., unter dem Titel Make your Bed. Copyright © William H. McRaven, 2017.

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Übersetzung: Dr. Kimiko Leibnitz

Redaktion: Caroline Kazianka

Umschlaggestaltung: Laura Osswald

Umschlagabbildungen: Unter Verwendung von iStockphoto.com

ePub by Konvertus

ISBN Print 978-3-7423-0515-2

ISBN E-Book (PDF) 978-3-7453-0063-5

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-7453-0064-2

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Inhalt

Vorwort

Beginnen Sie Ihren Tag mit einer erledigten Aufgabe

Allein schaffen Sie es nicht

Nur die Größe Ihres Herzens zählt

Das Leben ist nicht fair – akzeptieren Sie es und machen Sie weiter

Misserfolg kann abhärten

Wagen Sie Großes

Bieten Sie den Tyrannen die Stirn

Wachsen Sie über sich hinaus

Den Menschen Hoffnung geben

Geben Sie niemals auf

Rede zur feierlichen Verabschiedung der Absolventen der Universität von Texas

Dank

Über den Autor

Für meine drei Kinder: Bill, John und Kelly. Kein Vater könnte stolzer auf seine Kinder sein als ich. Jeder Augenblick in meinem Leben ist dadurch besser geworden, dass es euch gibt.
Und für meine Frau Georgeann, meine beste Freundin, die all meine Träume ermöglicht hat. Wo wäre ich nur ohne dich?

Vorwort

Am 21. Mai 2014 hatte ich die Ehre, anlässlich der feierlichen Verabschiedung der Absolventen der Universität von Texas in Austin eine Rede zu halten. Obwohl auch ich an dieser Universität studiert habe, war ich mir nicht sicher, ob ich als Offizier, dessen berufliche Laufbahn durch den Krieg bestimmt war, von den Studenten mit offenen Armen begrüßt werden würde. Aber die Absolventen nahmen die Rede erstaunlicherweise gut auf. Die zehn Dinge, die ich während meiner Ausbildung bei den Navy SEALs gelernt habe und die die Grundlage für meine Ansichten bilden, schienen eine universelle Gültigkeit zu besitzen. Es sind einfache Ratschläge, die zunächst darauf abzielten, die schweren Prüfungen der SEAL-Ausbildung zu meistern. Doch diese zehn Lektionen lassen sich grundsätzlich auf das Leben und seine vielfältigen Herausforderungen übertragen – ganz gleich, wer man ist. In den letzten drei Jahren bin ich von vielen Leuten auf der Straße angesprochen worden, die mir ihre Geschichten erzählt haben: dass sie sich Schwierigkeiten widersetzt haben, dass sie nicht aufgegeben haben oder dass es ihnen in schweren Zeiten geholfen hat, jeden Morgen das Bett zu machen. Sie wollten mehr darüber erfahren, wie die zehn Lektionen mein Leben geprägt und welche Menschen mich im Laufe meiner Karriere beeinflusst haben. Dieses kleine Buch ist ein Versuch, diesem Wunsch nachzukommen. Jedes Kapitel geht ausführlich auf die einzelnen Lektionen ein und stellt Menschen vor, die mich mit ihrer Disziplin, ihrem Durchhaltewillen, ihrem Charakter, ihrem Verständnis von Ehre und ihrem Mut inspiriert haben. Viel Spaß beim Lesen!

KAPITEL EINS

Beginnen Sie Ihren Tag mit einer erledigten Aufgabe

Wenn Sie die Welt verändern wollen ...

... fangen Sie klein an und machen Sie Ihr Bett.

Die Kaserne, in der die SEAL-Grundausbildung stattfindet, ist ein unscheinbares dreigeschossiges Gebäude am Strand von Coronado in Kalifornien, nur etwa 100 Meter vom Pazifik entfernt. Es gibt in dem Gebäude keine Klimaanlage, und abends hört man bei offenem Fenster das Meeresrauschen und die Brandung, die auf den Strand schlägt.

Die Stuben in der Kaserne sind spartanisch eingerichtet. In der Offiziersstube, die ich mit drei weiteren Kameraden geteilt habe, gab es vier Betten, einen Spind, in den man seine Uniformen hängen konnte, und sonst nichts. Wenn ich dort übernachtet habe, habe ich mich morgens aus meiner »Koje« gerollt und sofort mein Bett gemacht. Das war die erste Aufgabe des Tages. Eines Tages, der angefüllt sein würde mit Uniformkontrollen, langen Schwimmeinheiten, noch längeren Laufeinheiten, Hindernisläufen und den ständigen Schikanen der SEAL-Ausbilder.

»Achtung!«, rief der Anführer unserer Gruppe, Lieutenant Junior Grade Dan’l Steward, als der Ausbilder die Stube betrat. Ich stand am Fußende meines Bettes, schlug die Hacken zusammen und stand kerzengerade da, während der Chief Petty Officer zu mir kam. Der Ausbilder fing ernst und regungslos mit der Kontrolle an, er prüfte, ob meine grüne Kopfbedeckung gestärkt war, die Oberfläche fest, glatt und korrekt geformt war. Er arbeitete sich von oben nach unten vor und nahm jeden Zentimeter meiner Uniform in Augenschein. Saßen die Bügelfalten von Hemd und Hose richtig? Glänzten die Messingteile des Gürtels? Waren meine Stiefel so auf Hochglanz poliert, dass sich seine Finger darin spiegelten? Wenn er damit zufrieden war, wie ich die hohen Anforderungen erfüllt hatte, die an einen SEAL-Anwärter gestellt wurden, wandte er seine Aufmerksamkeit meinem Bett zu.

Das Bett war so schlicht wie die gesamte Stube, es bestand aus einem Stahlrahmen und einer schmalen Matratze, über die ein Betttuch und ein Laken gespannt waren. Eine graue Wolldecke, die unter der Matratze eingeschlagen war, spendete an den kalten Abenden in San Diego Wärme.

Eine zweite Decke lag fein säuberlich zu einem Quadrat gefaltet am Fußende des Bettes. Ein Kissen, das in einer Blindenwerkstatt hergestellt worden war, befand sich mittig am Kopfende und lag in gerader Linie zu der ans Fußende gelegten zweiten Decke. Das war die Norm. Jede Abweichung von dieser Vorgabe führte dazu, dass ich zum Strand rennen und mich dort im Sand wälzen musste, bis ich von Kopf bis Fuß mit nassem Sand bedeckt war – eine Prozedur, die als »Sugar Cookie machen« bezeichnet wurde.

Ich stand reglos da und beobachtete den Ausbilder aus dem Augenwinkel, während dieser mein Bett sorgfältig prüfte. Er beugte sich nach vorne, kontrollierte, ob das Bettzeug korrekt eingeschlagen war , ob die Decke und das Kissen an der richtigen Stelle saßen. Dann griff er in seine Tasche, zog eine Vierteldollar-Münze hervor und warf sie mehrmals demonstrativ in die Luft, um mir zu zeigen, dass gleich der abschließende Test bevorstand. Mit einem letzten Wurf flog die Münze in hohem Bogen durch die Luft und landete federnd auf der Matratze. Sie prallte einige Zentimeter davon ab – hoch genug, dass der Ausbilder sie mühelos wieder auffangen konnte.

Er drehte sich um, sah mich an und nickte. Nie sagte er dabei ein Wort. Das Bett richtig zu machen war kein Grund für überschwängliches Lob. Das wurde von mir erwartet. Es war meine erste Aufgabe des Tages, und es war wichtig, sie richtig zu machen. Das war ein Ausdruck meiner Disziplin, ein Beweis dafür, dass ich auf Details achtete, und am Ende des Tages würde mich das Bett daran erinnern, dass ich etwas gut gemacht hatte und stolz darauf sein konnte, auch wenn die Aufgabe noch so unbedeutend gewesen war.

Im Laufe meiner Karriere bei der Navy war das Bettenmachen eine Konstante, die sich niemals veränderte. Als junger SEAL-Lieutenant an Bord der USS Grayback, eines U-Boots für Spezialeinsätze, lag ich einmal auf der Krankenstation, in der es vierstöckige Etagenbetten gab. Der alte, raubeinige Arzt, der die Krankenstation leitete, bestand darauf, dass ich jeden Morgen mein Bett machte. Er sagte immer: Wie können die Matrosen erwarten, bestmöglich medizinisch versorgt zu werden, wenn die Betten nicht gemacht sind und das Zimmer unordentlich ist? Wie ich noch herausfinden sollte, zog sich dieser Sinn für Reinlichkeit und Ordnung durch das gesamte militärische Leben.

30 Jahre später wurden die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York City zum Einsturz gebracht. Das Pentagon wurde angegriffen, und tapfere Amerikaner starben in einem Flugzeug, das über Pennsylvania abstürzte.

Zum Zeitpunkt dieser Angriffe erholte ich mich gerade von einem schweren Fallschirmunfall. Ein Krankenhausbett wurde in meine Dienstunterkunft gebracht, und ich verbrachte den Großteil des Tages damit, ruhig auf dem Rücken zu liegen, um wieder gesund zu werden. Am liebsten hätte ich das Bett sofort verlassen. Wie jeder SEAL sehnte ich mich danach, mit meinen Kameraden in den Kampf zu ziehen.

Als ich schließlich wieder zu Kräften gekommen war und das Bett ohne fremde Hilfe verlassen konnte, bestand meine erste Handlung darin, das Betttuch straff zu ziehen, das Kissen zu richten und dafür zu sorgen, dass das Krankenhausbett für jeden, der mich besuchte, ordentlich aussah. So wollte ich zeigen, dass ich die Verletzung überwunden hatte und mein Leben wie gewohnt fortsetzte.

Keine vier Wochen nach dem 11. September wurde ich ins Weiße Haus berufen, wo ich die nächsten zwei Jahre in der neu gebildeten Behörde zur Terrorbekämpfung tätig war. Im Oktober 2003 war ich im Irak auf unserem provisorischen Stützpunkt, der sich auf dem Flugplatz von Bagdad befand. In den ersten Monaten schliefen wir in Feldbetten der Armee. Trotzdem begann mein Morgen stets damit, nach dem Aufstehen meinen Schlafsack zusammenzurollen, das Kissen ans Kopfende zu legen und mich für den Tag bereit zu machen.

Im Dezember 2003 nahmen US-Streitkräfte Saddam Hussein fest. Er wurde in Gewahrsam genommen und in einem kleinen Zimmer festgehalten. Auch er schlief in einem Feldbett der Armee, hatte aber den zusätzlichen Luxus von Bettwäsche und einer Decke. Einmal am Tag besuchte ich Saddam, um mich zu vergewissern, dass er von meinen Soldaten gut behandelt wurde. Amüsiert stellte ich fest, dass Saddam sein Bett nicht machte. Seine Bettwäsche lag stets zerknüllt am Fußende, offenbar hatte er nur selten das Bedürfnis, sie glatt zu streichen.

In den folgenden zehn Jahren hatte ich das Privileg, mit einigen der besten Männer und Frauen zu dienen, die dieses Land je hervorgebracht hat – mit Generälen und Gefreiten, Admirälen und Matrosen, Botschaftern und Sekretärinnen. Die Amerikaner, die im Auslandseinsatz waren, um ihren Beitrag zum Krieg zu leisten, taten dies freiwillig und brachten große Opfer, um dieses wunderbare Land zu schützen.

Kraft