Melanie Stadelbauer

Emotionaler Missbrauch

Danksagung

In erster Linie möchte ich meinem Mann und meinen Schwiegereltern danken. Denn durch sie durfte ich auf ganz besondere Art und Weise lernen, was es bedeutet, eine Familie hinter sich zu haben, die immer füreinander da ist und jeden so akzeptiert, wie er ist.

Gott hat meine angeheiratete Familie maßgeblich dafür gebraucht, damit ich Heilung erfahren konnte und nach Jahrzehnten mein Schweigen gebrochen habe, um offensiv mit meiner Vergangenheit umzugehen.

Der Dank gilt auch allen anderen, die im Laufe der Jahre für mich da waren und mich durch die Höhen und Tiefen meiner Heilung hindurchbegleitet haben.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Wenn Scheiße zu Dünger wird

Warum gerade ich?

Nichts wie raus hier!

Wenn Angst dein Leben beherrscht

… und Liebe dich verändert!

Zerstörtes Vertrauen

Beziehungen – ohne geht´s nicht

Die Rolle der Familie

Geh deinen Weg - nicht den Weg der anderen!

Müssen wir es jedem immer recht machen?

Nicht perfekt ist perfekt genug

Mein Rat für Betroffene

Vorwort

„Nimm das Leben nicht so ernst, du kommst sowieso nicht lebend heraus!“ (Verfasser unbekannt)

Kennst du diesen Spruch?

Wo genau dieser Spruch herkommt oder wer ihn in die Welt gesetzt hat, ist unbekannt. Die Person hat sich aber sicher etwas dabei gedacht. Für mich bedeutet das, dass wir fröhlich durch das Leben gehen und es genießen sollen. Denn irgendwann müssen wir eh alle sterben.

Wenn immer alles glattläuft und wir einfach nur mit Freude genießen können was wir haben, ist das mit dem „nicht so ernst nehmen“ sicher auch recht einfach.

Was aber, wenn wir durch extrem schwere Zeiten müssen? Wie sollen wir das nicht ernst nehmen, wenn unser Leben von anderen Menschen fremdbestimmt wird?

Was, wenn Missbrauch unser ganzes Leben bestimmt?

In diesem Buch erfährst du meine Geschichte. Jedoch nicht nur die negative Seite. Viel wichtiger als die Zeiten des Missbrauchs ist nämlich das, was kam, nachdem ich vor 10 Jahren meinem alten Leben den Rücken gekehrt habe, um endlich frei zu sein.

Diese vergangenen 10 Jahre hat Gott maßgeblich dazu genutzt, um mich von meinen Verletzungen zu heilen, neues Vertrauen in mir wachsen zu lassen und mir Menschen zur Seite zu stellen, die mich jeden Tag aufs Neue spüren lassen, dass jeder einzelne Mensch wertvoll ist!

Wenn du dieses Buch gekauft hast, weil du mich persönlich kennst, wünsche ich dir viel Freude dabei, mich ein kleines bisschen näher kennenzulernen.

Hältst du es jedoch in deinen Händen, weil du selbst Missbrauch in deinem Leben erfahren hast, oder noch erfährst, dann wünsche ich dir von Herzen, dass du durch meine Geschichte dazu ermutigt wirst deiner Vergangenheit den Rücken zu kehren und Gott eine Chance zu geben, deine Wunden zu heilen.

Deine Melanie

Wenn Scheiße zu Dünger wird

Kennst du das, wenn du verzweifelt versuchst von etwas loszukommen und es einfach nicht schaffst? Das Gefühl, dass etwas „einfach nicht abreißen“ will?

Wenn nicht, dann gehörst du wohl zu den wenigen glücklichen Menschen auf der Erde, die ihr Leben vollkommen im Griff zu haben scheinen.

Ich jedenfalls gehöre nicht zu dieser Gattung Mensch. Mein Leben wäre schon fast langweilig, wenn nicht ständig irgendetwas anderes versuchen würde mich zu binden und am Vorwärtskommen zu hindern.

Am Schwierigsten ist es wohl sein Leben in den Griff zu bekommen, wenn man Missbrauch erlebt hat. Zumindest kommt es mir so vor.

Meistens geschieht der Missbrauch durch Menschen, die einem nahe stehen und denen man vertraut. Vergewaltigungen zum Beispiel die durch völlig fremde passieren, sind dabei die Ausnahme. Kindesmissbrauch geschieht am häufigsten innerhalb der engsten Familie. Oft sind es die eigenen Eltern, die ihre Kinder misshandeln. Und dabei muss es sich nicht einmal um sexuelle Übergriffe handeln.

Denn Missbrauch fängt schon mit dem an was wir sagen und leider sind häufig Kinder die Leidtragenden, wenn Eltern Missbrauch erleben. Missbrauch hat viele Gesichter und meistens geschieht er so schleichend, dass die Betroffenen es erst bemerken, wenn es schon zu spät zu sein scheint.

Krass klingt das ja schon: „Scheiße, die zu Dünger wird.“

Doch es trifft genau den Kern meiner Geschichte.

Wenn ich einen Zeitpunkt nennen müsste, wann der Missbrauch in meinem Leben begonnen hat, könnte ich nicht wirklich antworten. Denn genau genommen liegt dieser Zeitpunkt noch vor meiner Geburt. Als meine Mutter mit mir schwanger war. Eine Zeit, in der mein Großvater beschloss, dass ein uneheliches Kind nicht in die Familie passen würde und meine Mutter gezwungen hat, in eine Adoption einzuwilligen. Eine Adoption, die weder sie noch mein Vater wollte. Doch sie hatte keine andere Wahl als zuzustimmen. Sie war erst 17 Jahre alt und somit minderjährig. Nach meiner Geburt hat sie die Zustimmung zurückgenommen, notariell beglaubigt. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits in meiner Adoptivfamilie. Das Jugendamt dachte gar nicht daran, meiner leiblichen Mutter eine Chance zu geben. Ohne Grund. Einfach so. Sie durfte mich nicht sehen, es fand kein Umgang statt. Ich blieb in der Pflegefamilie. Sämtliche Versuche mich zurückzubekommen wurden vom Jugendamt boykottiert. Bis 6 Jahre nach meiner Geburt die Unterschrift zur Adoption durch ein Gericht ersetzt wurde. Das alles weiß ich nicht aus Erzählungen – dass alles stand so in den Akten des Jugendamtes und ist offiziell dokumentiert!

Auch, wenn es mir in meiner „neuen“ Familie gut ging: Der Missbrauch hat sich durch mein Leben gezogen wie ein roter Faden. In den ersten Jahren ging es mir noch gut. Ich hatte alles, was ich gebraucht habe. Eine Familie, die mich aufgenommen und geliebt hat.

Doch später war Missbrauch an der Tagesordnung. Körperlicher Missbrauch, sexueller Missbrauch, emotionaler Missbrauch. In der Schule, in meiner ersten Ehe. Am Schlimmsten war für mich allerdings der Missbrauch innerhalb der Kirche. Dort, wo ich Hilfe und Heilung erwartet hatte, erlebte ich den größten Schmerz. Ablehnung, Verachtung und Unterdrückung.

Suizidgedanken und -versuche bestimmten meinen Alltag, denn so wollte ich nicht leben.

Ich bin in eine Ehe gerutscht, weil ich Angst davor hatte alleine zu sein. Doch auch diese Beziehung war von Missbrauch bestimmt. Erst als mein Mann kein „Nein“ mehr geduldet hat und mir jegliche Würde genommen hatte, habe ich es geschafft meinen Sohn zu nehmen und diesem Leben den Rücken zu kehren.

Als ich meinen zweiten Mann kennengelernt habe, wusste ich selbst nicht mehr wer ich war. Ich hatte keine Werte mehr, kein Selbstwertgefühl und kein Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten. Ich war fest davon überzeugt, dass ich zu nichts fähig war. Und vor allem davon, dass ich es nicht wert war geliebt zu werden. Doch irgendwie hatte dieser Mann es damals geschafft, hinter meinem zerrissenen Leben die Frau zu erkennen, die Gott sich einst gedacht hatte. Ich hatte einen langen Heilungsweg vor mir. Jahre, in denen mein Mann damit klarkommen musste, dass mir an manchen Tagen schon eine Berührung fast zu viel war. Jahre, in denen ich täglich gekämpft habe, mein Leben in den Griff zu bekommen und vor allen Dingen zu lernen, neu zu vertrauen.

Am Schwierigsten war für mich jedoch, dass ich in keiner Kirche Halt gefunden habe. Ich konnte mich noch so sehr bemühen. Doch durch das fehlende Vertrauen habe ich es nicht geschafft, mich dauerhaft einer Gemeinde anzuschließen. Ich war Christ, war mir sicher, dass Gott da ist und es einen Grund dafür gibt, dass ich das alles durchmachen musste.

Bis ich jedoch in der Lage war über meinen Schatten zu springen und den Menschen in meinem Leben einen Vertrauensvorschuss zu geben, waren mein Mann und ich schon 6,5 Jahre verheiratet. Erst durch die Ermutigung einer Frau die ebenfalls Opfer von geistlichem Missbrauch gewesen war, konnte ich mich dazu entschließen der Heimatgemeinde meines Mannes einen Vertrauensvorschuss zu geben.

Nach einem Gespräch mit dem Pastor habe ich beschlossen in die Offensive zu gehen und den Menschen dort von einem Teil meiner Vergangenheit zu erzählen. Und dieses Vertrauen wurde belohnt.

Mit Gott an meiner Seite und Menschen in meinem Leben, die mich so genommen haben, wie ich war, hatte ich endlich eine Chance, wieder zu neuem Glauben zurückzufinden.

Ich durfte lernen, dass ich Fehler machen darf und dennoch geliebt werde. Dass ich nicht alles alleine schaffen muss, sondern Menschen in meinem Leben sind, die mich unterstützen und für mich da sind, um zu helfen, wenn Hilfe nötig ist. Und vor allem darf ich jeden Tag aufs Neue erleben, wie sehr Gott mich liebt. Heute bin ich wieder eine fröhliche Frau, die ihr Leben genießt.

Ja, Scheiße habe ich erlebt. Mehr als genug für zehn Leben. Doch Gott hat diese Scheiße in Dünger verwandelt! Und auf dem gedüngten Acker kann neues Leben wachsen und anderen Menschen zum Segen werden!

Dieses Buch ist der zweite Teil der Supermama-Reihe und erzählt, wie ich zu der Frau wurde, die ich heute bin. Das Buch unterscheidet sich von dem ersten Teil, da ich diesmal auf die Nachfrage von vielen Leserinnen mehr über mein Leben und mich selbst erzählen werde, was es mehr zu einer Biografie werden hat lassen. Viel mehr, als ich ursprünglich geplant habe. Ich bin mir allerdings sicher, dass es der richtige Weg ist. Denn über Missbrauch in seinen ganzen Facetten wird leider immer noch viel zu sehr geschwiegen. Wenn aber jeder nur schweigt, niemand in die Offensive geht und über seinen Kampf aus der Spirale des Missbrauchs herauszukommen erzählt, wird sich nie etwas ändern.

Ich möchte mit diesem Buch Menschen dazu ermutigen über ihren Schatten zu springen und auf Gottes Führung in ihrem Leben zu vertrauen.

Denn es ist egal, was du erlebt hast. Es ist egal, wie schwer deine Vergangenheit war. Es ist egal, welcher Art von Misshandlungen du in deinem Leben ausgesetzt warst oder vielleicht noch bist.

Gott weiß, wo du dich versteckst! Und er hat einen Weg parat dir aus dem Schatten deiner Vergangenheit herauszuhelfen, dich zu heilen und zu einem Segen für andere Menschen zu machen!

Du musst ihm nur die Türe öffnen!